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SwissDRG-Fallpauschale: Ein Versprechen auf der Wartebank

38 Prozent! Um 3551 Franken ist seit der schweizweiten Einführung des Fallpauschalensystems SwissDRG der durchschnittliche stationäre Spitalaufenthalt in den letzten zwei Jahren teurer geworden. Die mit der Einführung vollmundig versprochene kostendämpfende Wirkung hat sich nicht eingestellt. 

2014 kostete ein stationärer Spitalaufenthalt im Durchschnitt 12‘800 Franken – 2011, dem letzten Jahr nach altem Berechnungsmodus, waren es 9249 Franken.

 

Prognostizierte Versprechen haben in der helvetischen Sozial- und Gesundheitspolitik einen schweren Stand – wie das SwissDRG-Beispiel belegt. Erinnerungen an ein anderes Versprechen werden wach: Im Abstimmungskampf zur Einführung des Krankenversicherungs-Obligatoriums im Jahre 1996 war in Aussicht gestellt worden, dass die Prämien damit sinken würden. Tatsächlich sind sie seither im Durchschnitt der letzten 20 Jahre um jährlich 4,7 Prozent gestiegen– und für jeden dritten Versicherten mittlerweile aus eigener Kraft nicht mehr zahlbar.

 

In der Schweiz wurde das Fallpauschalen-Tarifsystem „SwissDRG“ – ein ökonomisch-medizinisches Klassifikationssystem in Fallgruppen – und die damit verbundene neue Spitalfinanzierung am 1. Januar 2012 eingeführt. Seither werden Leistungen an Patienten anhand der Haupt- und Nebendiagnose einer klassifizierten Fallgruppe zugewiesen und verrechnet. Vorher wurde auf der Abrechnung alles einzeln als Tarifposten aufgeführt, Behandlungstage und die einzelnen Leistungen.

 

Während die auf Verweildauer bezogene Abrechnung aus ökonomischer Sicht Anreiz für eine Verlängerung der Behandlung war, sollte die Abrechnung nach SwissDRG Anreiz für eine „zügige“ Behandlung bilden. Und die freie Spitalwahl hätte Wettbewerb zwischen den Spitälern ankurbeln und sich auf das Angebot kostendämpfend auswirken sollen. Eingetreten ist das, was alt Nationalrat Toni Bortoluzzi im faktuell.ch-Gespräch „ein Fass ohne Boden“ nennt, „weil man sich weigert, das gesamte System der Fallpauschale einzuführen“.

 

Zwar haben sich die damit verbundenen Befürchtungen vorzeitiger Entlassungen (Stichwort: „Blutige Entlassung“) nicht eingestellt. Hingegen scheint sich der ebenfalls befürchtete „Drehtür-Effekt“ durchaus zu bewahrheiten –Patienten verweilen zwar pro Fall kürzer im Spital, aber oft steht wenig später eine weitere stationäre Behandlung an. Und, wie als Warnung, haben manche Spitäler auf den Stammblättern der Patienten den Vermerk eingeführt: Vorsicht, potenzieller Wiederkehrer!

 

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik verteilten sich 2014 rund 1,4 Millionen stationäre Spitalaufenthalte auf etwas mehr als eine Million Personen. Damit haben 12 Prozent der Schweizer Bevölkerung im vergangenen Jahr einen oder als „Wiederkehrer“ mehrere Spitalaufenthalte gehabt.

 

Seit zwei Jahren haben in der stationären Behandlung die Fälle von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems Verletzungen als häufigste Ursache abgelöst. 2014 führten Arthrose, Gelenk- und Rückenprobleme zu 184‘000 Spitalaufenthalten. Die mit Abstand häufigsten Einzeldiagnosen waren die Knie- und die Hüftarthrose. Bei den Verletzungen (172‘000 Fälle) war die Gehirnerschütterung häufigste Einzeldiagnose. An dritter Stelle folgten Erkrankungen des Kreislauf-Systems (154‘000), gefolgt von Krankheiten des Verdauungssystems (115‘000). Mehr als je zuvor, nämlich 95‘000 Hospitalisierungen, erfolgten aufgrund von psychischen oder Verhaltensstörungen (einschliesslich Demenzerkrankungen und Schizophrenie). Häufige Hospitalisierungsgründe waren hier affektive Störungen wie Depressionen und Störungen durch Alkohol.

 

Noch schneller als im stationären Bereich wachsen gemäss BFS-Statistik die Kosten der ambulanten Konsultationen: 16,8 Millionen Konsultationen verursachten Kosten von 6,7 Milliarden Franken, was gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme um 5,4 Prozent entspricht. Bei den stationären Spitalaufenthalten waren es 17,9 Milliarden Franken, 3,9 Prozent mehr als 2013.