Die doppelt gemoppelten Verlierer der Altersreform 2020

Ob freiwillig oder aus finanziellen Gründen: Die Zahl erwerbstätiger Rentner nimmt zu. 2016 waren 12,7 Prozent aller Erwerbstätigen Rentner – das sind auf rund 5 Millionen Erwerbstätige 635'000 Frauen und Männer, die Rente beziehen und bezahlter Arbeit nachgehen. Mit der Rentenreform 2020 gehören viele von ihnen zu den Verlierern. Denn ihr bisheriger AHV-Freibetrag wird gestrichen, was rund 250 Millionen Franken zusätzlich in die AHV-Kasse spült.

 

Altersreform 2020-Verlierer

Den Journalisten – wie oft, wenn sie nicht selber betroffen sind – war es kaum eine Zeile wert, zumal Bundesrat, Ständerat und Nationalrat erstaunlicherweise geschlossen dahinterstehen. Erstaunlicherweise darum, weil im eidgenössischen Parlament viele Selbständigerwerbende – vor allem Advokaten – sitzen, für die in der Regel mit 65 noch lange nicht Schluss ist.

 

 

Wer sich im Rentenalter nicht bloss zusätzlich ein Taschengeld verdient, sondern 25 und mehr Prozent weiterarbeitet, ist betroffen. Bis jetzt gilt für die Unselbständig- und Selbständigerwerbenden bei Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Rentenalter ein Freibetrag von 1400 Franken im Monat bzw. 16'800 Franken im Jahr. Ab diesem Betrag bleiben sie AHVpflichtig, und zwar ohne Gegenleistung in Form einer höheren Altersrente. Es handelt sich um einen Solidaritätsbeitrag, der in den meisten Fällen ein bis zwei ausbezahlte AHV-Renten gleich wieder wegfrisst

 

 

Die Aufhebung des Freibetrags entzieht erwerbstätigen Rentnern rund 250 Millionen Franken im Jahr. Im Gegenzug gibt’s das, was man ein Zückerchen nennt: Personen, welche weiterarbeiten und Beiträge bezahlen, können bis zum 70. Altersjahr einmal eine Neuberechnung der Rente verlangen – ein Entgegenkommen, das die AHV rund 120 Millionen Franken kostet.

 

Nach heutiger Regelung lässt sich der Bezug der AHV maximal um fünf Jahre aufschieben, dadurch wächst diese weiter. Von der Möglichkeit zum Aufschub machen allerdings nur wenige Gebrauch: 2014 waren es gerade mal 16'400 Personen («Tages-Anzeiger»).

 

 

Mit der Altersreform 2020 bleiben unter dem Strich rund 130 Millionen Franken an AHV-Mehreinnahmen aus den Altersverdiensten erwerbstätiger Rentner – sie werden gleichsam doppelt gemoppelt. Denn sie sind auch Teil der rund 1,5 Millionen der heutigen Rentner – 1'080'000 im Alter von 65 bis 79 Jahren, 420'000 im Alterssegment 80+ –, die mit der Reform nicht nur leer ausgehen, sondern an Kaufkraft verlieren, weil die Mehrwertsteuer um 0,6 Prozentpunkte erhöht wird.

 

Und zu den Verlierern kann man auch jene zählen, die über keine 2. oder gar 3. Säule verfügen. Knapp 33 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner erhalten keine Leistung aus der beruflichen Vorsorge.