Rentenpanik: Alterung basiert bereits auf überholten Annahmen

Mit 80,7 Jahren (Männer) und 84,9 Jahren (Frauen) haben die Menschen in der Schweiz eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit. Aber – und dies ist zum Beispiel für die offiziellen AHV-Finanzierungsszenarien bis 2045 wesentlich – die Zeit der grossen Alterungssprünge ist vorbei.

 

Noch ist die Frage offen, ob die dokumentierte Abschwächung des Anstiegs der Lebenserwartung gar zum Stillstand kommt bzw. die Lebenserwartung sogar wieder abnimmt. Die Bundesstatistiker machen geltend, dass für einen aussagekräftigen Befund die sogenannte Sterbetafel über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet werden müsse. Fakt bleibt vorerst, dass 2015 die Lebenserwartung in allen drei von den Bundesstatistikern erfassten Kategorien zum ersten Mal seit über 20 Jahren leicht rückläufig war: die Lebenserwartung bei der Geburt, im Alter von 20 Jahren und im Alter von 65 Jahren.

 

 

Was sich wie verändert hat: 1960 starben nur 19,8 Prozent der Männer und 32,1 Prozent der Frauen mit 80 Jahren und mehr, 2015 waren es 51,2 Prozent der Männer und 71,1 Prozent der Frauen. Seit Ende der 1990er-Jahre stirbt die Mehrheit der Männer nicht mehr zwischen 65 und 79 Jahren, sondern mit 80 Jahren und mehr; bei den Frauen ist dies bereits seit den 1970er-Jahren der Fall.

 

 

Bemerkenswerter ist, dass ab den 1990er-Jahren die Alterung geradezu sprunghaft zugenommen hatte und sich seither als scheinbar unaufhaltsamer Prozess in den Köpfen wie in Stein gemeisselt festgesetzt hat. Von 1991 bis 2001 stieg die Lebenserwartung der Männer um 2 Prozent, jene der Frauen gar um 3,3 Prozent und von 2001 bis 2011 jene der Männer um 2,9 Prozent und jene der Frauen um 1,6 Prozent.

 

 

Vor dem Hintergrund der scheinbar unaufhaltsamen Alterung, die heute die ganze Debatte um die Langzeitfinanzierung der Renten dominiert, ist von besonderem Interesse, dass sich inzwischen der Anstieg der Langlebigkeit schon fast von Jahr zu Jahr verlangsamt.

 

 

Fazit: Die hohe Lebenserwartung in der Schweiz ist auf die Entwicklung im Laufe des späten 20. Jahrhunderts und den Beginn des 21. Jahrhunderts zurückzuführen.  In jüngster Zeit ist aber eine Abschwächung dieses Anstiegs zu erkennen. Mit andern Worten: Die Langzeitszenarien des Bundesamtes für Sozialversicherungen gehen immer noch von der sprunghaften Entwicklung der 1990er- und 2000er-Jahre aus – und sind bereits überholt.