Die Renten der "Goldenen Generation": Riesige geschlechtsspezifische Lücken

Die durchschnittlichen Altersrenten der Frauen in der Schweiz betragen bei der 2. Säule nur 63 Prozent einer durchschnittlichen Männerrente – das sind mehr als ein Drittel oder etwa 20'000 Franken weniger im Jahr. Eine Studie der Berner Fachhochschule gibt Einblick in das Rentengefälle. Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

 

Für die fragliche Studie, betitelt «Ecart de rentes de vieillesse», sind die Rentenlücken von 4277 Rentnerinnen und Rentnern untersucht worden, die zwischen 1957 und 1967 ins Erwerbsleben eintraten und die zwischen 2002 (Jahrgang 1937) und 2012 (Jahrgang 1947) pensioniert wurden. Es handelt sich um eine Generation, die in den 1980er- und 1990er-Jahren massgebend zu Auf- und Ausbau der schweizerischen Sozialwerke beigetragen hat und die sich heute dem Vorwurf ausgesetzt sieht, sie missachte als «Goldene Generation» die Rentenansprüche späterer Generationen, der Enkel und Nichtgeborenen.

 

Die Fakten:

 

 Bei den Frauen macht der Anteil der AHV an der gesamten Altersrente fast 80 Prozent aus, während dieser bei Männern knapp 60 Prozent beträgt. Ein Grund dafür ist, dass nur rund 55 Prozent der Frauen, aber 78 Prozent der Männer über eine berufliche Vorsorge verfügen. Die 3. Säule fällt bei dieser Generation mit einem Anteil von zwei Prozent an der Gesamtrentensumme nicht ins Gewicht. Während es bei der AHV praktisch keine Unterschiede gibt – die Lücke beträgt knapp drei Prozent – ortet die Studie, wie eingangs erwähnt, bei der 2. Säule eine Rentenlücke von durchschnittlich 37 Prozent.

 

 Das mittlere monatliche Einkommen der Frauen in den 20 Jahren vor der Pensionierung wird mit 35 Prozent des Einkommens der Männer beziffert – für die Autoren der Studie ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Frauen der untersuchten Generation in dieser Lebensphase höchstens teilzeiterwerbstätig waren. Besonders gross ist der Unterschied bei den Verheirateten: Das mittlere Einkommen der Frauen macht gerade mal ein Viertel vom durchschnittlichen Männer-Einkommen aus. Würden die während der Ehe erzielten Einkommen in der beruflichen Vorsorge beiden Ehegatten analog dem Splitting bei der AHV zu gleichen Teilen aufgeteilt, so wäre die Rentenlücke wesentlich geringer: rund 25 statt 37 Prozent.

 

 Die Studie hat die Rentenbezüge auch nach aufsteigender Gesamtrentenhöhe in zehn gleich grosse Gruppen aufgeteilt. Dabei hat sich gezeigt, dass der Anteil der Frauen bei den eher tiefen Renten mit 70 bis 85 Prozent sehr hoch ist. In der Gruppe mit den kleinsten Renten ist auch der Anteil der Männer mit 36 Prozent grösser als in den folgenden Gruppen – ein Hinweis darauf, dass es auch bei den Männern ausgesprochen tiefe Renten gibt. Umgekehrt beträgt der Frauen-Anteil in der Gruppe der höchsten Renten nur noch 23 Prozent.

 

 

Generelle Befunde der vom Bundesamt für Sozialversicherungen gemeinsam mit dem eidgenössischen Gleichstellungsbüro in Auftrag gegebenen Studie: Bei den tiefsten Einkommen gibt es keine Unterschiede in der Rentenhöhe, während die Rentenlücken bei den obersten Einkommen deutlich über dem Durchschnitt liegen. Die unterschiedlichen Erwerbsbiografien von Frauen und Männern spielen eine entscheidende Rolle für die Rentenunterschiede – zentral ist die Bedeutung von Erwerbsunterbrüchen, Teilzeitpensen und Beschäftigung im Tieflohnbereich. Im Fall der untersuchten angeblich «Goldenen Generation» spiegeln die Rentenlücken nicht zuletzt die traditionelle Aufgabenteilung und die damit eng verbundene Stellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.