2016: Die AHV ist wieder zurück in den schwarzen Zahlen

Brexit, Opec und der Trump-Effekt haben dem an den Märkten überaus vorsichtig operierenden Schweizer AHV-Fonds gutgetan: Die AHV ist dank gutem Anlageergebnis zurück in den schwarzen Zahlen.

Grund zur AHV-Panik ? - 2016: 439 Mio. Gewinn für AHV

Im September fiel das Betriebsergebnis der AHV nach den Monaten März, Juni und Juli zum vierten Mal im 2016 positiv aus und faktuell.ch titelte hoffnungsfroh: «Schreibt die AHV 2016 wieder schwarze Zahlen?». Doch im Oktober und November verdüsterte sich das Bild: Das kleine Anlageplus löste sich auf wie Schnee an der Sonne. Die ewigen Schwarzmaler in den Wirtschaftsredaktionen der Zürcher Verlagshäuser schienen endlich einmal recht zu bekommen.

 

Mit über 800 Millionen Franken war das Defizit Ende November doppelt so gross wie im AHV-Finanzhaushalt für das ganze Jahr prognostiziert – Ergebnis der Unsicherheit auf den Finanzmärkten, hervorgerufen durch Brexit und die plötzlich möglich scheinende Wahl Donald Trumps. Doch über Nacht entpuppten sich die an die Wand gemalten Horrorszenarien als Schall und Rauch: statt herbeigeschriebenem Crash geht es der britischen Wirtschaft trotz Brexit blendend und die Börse wechselte nach Trumps Wahlmänner-Erdrutsch-Sieg mit Mann und Maus ins Lager des ungeliebten Immobilienmoguls.

 

Der Bösewicht mutierte über Nacht zum Hoffnungsträger. Und die nach langem Tauziehen zur Überraschung der professionellen Skeptiker zustande gekommene Kürzung der Ölfördermenge durch die Opec, mit der sich das schwarze Gold sprunghaft verteuerte, tat ein übriges.

 

Und jetzt das: Die AHV ist wieder schwarz, ebenso die IV (deren Stunde der Wahrheit mit dem Auslaufen des Mehrwertsteuer-Sukkurses Ende 2017 kommt). Einzig der kleine Junior-Partner der 1. Säule, die Erwerbsersatzordnung (EO) bringt es trotz positivem Anlageergebnis-Anteil zum ersten Mal seit 2010 nicht in den schwarzen Bereich – hauptsächlich eine Folge der per 1. Januar 2016 vom Bundesrat für die Dauer von fünf Jahren verfügten Senkung des Beitragssatzes von 0,5 auf 0,45 Prozent.

 

Die AHV-Fakten für 2016: Das Umlagedefizit von 766 Millionen wird durch das Anlageergebnis (1,083 Milliarden) und Zinsen der IV-Schuld bei der AHV (122 Millionen) wieder - wie so oft in der AHV-Geschichte - in ein positives Betriebsergebnis gedreht: 439 Millionen Gewinn!

 

Die Nettorendite für die AHV belief sich auf 3,75 % = 1'066 Millionen Franken, jene der IV auf 2,65 % = 112 Millionen und jene der EO auf 3,85 % = 35 Millionen Franken.

 

Tatsächlich hätten die Nettorenditen noch deutlich besser ausfallen können. Denn ohne Berücksichtigung der verschiedenen Absicherungsmassnahmen betrug die Rendite auf dem gesamten Anlagevermögen 5,26 %. Nach Berücksichtigung aller Absicherungen beläuft sie sich auf 3,93 %. Allein die Währungsabsicherungen haben den AHV-Fonds 250 Millionen gekostet und damit die Nettorendite beträchtlich geschmälert.

 

Jahre, in denen die Ausgaben der AHV höher ausfielen als ihre Einnahmen, gab es in den 1960er-, 1970er-, den 1980er- und den 1990er-Jahren häufig, zusammengezählt bis 2015 genau 22mal. Meist wurden die Rechnungssaldi, so wie zuletzt 2014, durch gute Anlageergebnisse vom roten in den schwarzen Bereich gedreht; es kam aber auch vor, dass die AHV einschliesslich Erlös aus der Kapitalanlage in die roten Zahlen rutschte, lange bevor die Demographie-Keule geschwungen wurde. Das schlechteste Umlageergebnis setzte es 1998 mit einem Verlust von 2,357 Milliarden Franken ab (Saldo ohne Anlageergebnis) bzw. 1,394 Milliarden Franken (Saldo inkl. Anlageergebnis).

 

Fazit: Nichts spricht nach aktueller Konjunkturlage dagegen, dass die AHV trotz Babyboom-Andrang  auch 2017 dank einem ordentlichen Anlageergebnis in den schwarzen Zahlen bleibt.