Varianten zur Langzeit-Finanzierung der AHV

Die AHV hätte auch ohne Babyboomer ein strukturelles Problem: Die Gründe sind die  steigende Lebenserwartung und der über Jahrzehnte auf tiefem Niveau stagnierende Kindersegen (Fertilität). Mit der Kompensation der Lücken durch Migration verhält es sich gleich wie mit dem Babyboom: Sie ist zuerst Teil der Lösung, später, wenn die Migranten selber Rentner werden, Teil des Problems. Doch das Erfolgsmodell AHV steht für sich allein betrachtet, also ohne die Probleme der 2. Säule, keineswegs auf kranken Beinen. Was tun?

AHV-Rettungsschirme

 

Es braucht lediglich die politische Einigung auf einen realistischen Mix aus Massnahmen, von denen jede einzelne für sich das Umlageergebnis bis ins Jahr 2060 ausgleichen würde. Darauf verweist eine vom Bundesamt für Sozialversicherungen in Auftrag gegebenen Forschungsarbeit (BAK Basel Economics AG), die vor drei Jahren unter dem Titel „Babyboom und AHV 2010-2060“ abgeschlossen worden ist.

 

 

Ausgeglichen wäre das AHV-Umlageergebnis nach den Annahmen dieser Studie, wenn

  • der Lohnbeitrag bis 2060 von derzeit 8,4 schrittweise auf 11,3 Prozent erhöht würde oder
  • der Mehrwertsteuersatz von derzeit weniger als 1 Prozent schrittweise auf 3,8 Prozent erhöht würde oder
  • der derzeitige Zuwachs des Rentenindex jedes Jahr um 0.6 bis 0.7 Prozentpunkte reduziert würde (was einem realen Rückgang der Renten von 0,4 bis 0,5 Prozent pro Jahr entspräche, also in 20 Jahren 10 Prozent oder nach heutigen Stand maximal 235 Franken/Monat) oder
  • das Rentenalter für Frauen und Männer von derzeit 64/65 bis 2060 schrittweise auf 69/70 erhöht würde.

 

Diese Berechnungen gehen (Stand 2000) davon aus, dass die Bevölkerung der Schweiz bis im Jahr 2040 auf rund 9,5 Millionen Menschen wachsen und der Altersquotient, also der Anteil Rentner im Verhältnis zu den Aktiven, von heute 29 Prozent bis 2060 auf rund 56 Prozent ansteigen wird. Letzterer Prozentsatz dürfte früher oder später eine fünfte Variante ins Spiel bringen: Die Erhöhung der staatlichen Beteiligung an der AHV von heute knapp 20 Prozent oder rund 10 Mrd. Franken, worunter über 2 Mrd. Franken aus der Tabaksteuer – jener Tabaksteuer, die die AHV bis in die 1970er-Jahre im Alleingang finanzierte.