Arbeitsmarktintegration: Die Deutschen korrigieren die "Schulabschluss"-Statistik der arbeitssuchenden Asylanten

Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und Migranten, die zu 90 % in der Schweiz bleiben werden, gestaltet sich womöglich noch schwieriger als bisher angenommen, falls sich eine neue deutsche Erhebung bestätigen sollte. Danach haben bei unseren Nachbarn im Durchschnitt 59 % der arbeitssuchenden Asylanten und nicht 30 % wie bisher angenommen gar keine oder nur geringe Schulbildung.

 

In der Schweiz sind die Schulabschlüsse der vorläufig Aufgenommenen (VA) und anerkannten Flüchtlinge (FL) nicht statistisch dokumentiert, ebenso wenig der Anteil derer, die einen Alphabetisierungsbedarf haben. Anders in Deutschland.

 

Präzis vor Jahresfrist hatte das Deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erklärt: 46 % aller Asylbewerber mit guten Bleibeaussichten hätten ein Gymnasium oder sogar schon eine Hochschule besucht, 27 % eine Mittel- oder Fachhochschule. Danach sieht es jetzt eher nicht aus.

 

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Zahlen einer anderen Behörde nachgerechnet – jener der Bundesagentur für Arbeit (BA), die nach einer ersten Sichtung der Arbeitsmarktstatistik davon ausging, dass rund 30 % der 500 000 arbeitssuchenden Asylanten keinen Schulabschluss mitbringen.

 

Dem BIBB war aufgefallen, dass knapp ein Viertel der Flüchtlinge keine Angaben zu ihrem Bildungsstand gemacht hatte. Die Behörde hält es für „nicht unwahrscheinlich“, dass die Betroffenen die Angabe verweigerten, weil sie in Wahrheit keinen Abschluss haben.

 

Danach haben jetzt in Prozenten arbeitssuchende Asylanten aus folgenden Ländern keinen Schulabschluss: Somalia (77,2 %), Eritrea (72,9 %), Irak (71 %), Afghanistan (69 %), Syrien (56 %), Nigeria (55,9 %), Pakistan (52 %) und Iran (37 %).

 

Vor ein paar Jahren hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) für die Schweiz –  allerdings bei geringer Grösse der Stichprobe – folgende Verteilung als «relativ repräsentativ» dargestellt: Etwa ein Fünftel der Asylanten verfüge über einen Abschluss auf Sekundarstufe II oder höher und gut die Hälfte über mehrjährige Berufserfahrung.

Fazit: Womöglich wäre es hilfreich, wenn sich die an statistischen Erhebungen reiche Schweiz noch eine weitere - Stichwort: Vorbildung der Asylsuchenden - leisten würde, auch um die Kosten der Integrationsmassnahmen, die nach fünf bzw. sieben Jahren auf die Kantone und Gemeinden zukommen, besser ausloten zu können.